Jeder kennt das Gefühl, dass einfach alles zu viel wird. Dass man einen Haufen Arbeit hat und viele liebe Menschen ankommen und einem noch mehr Arbeit geben. Jeder Tag hat 24 Stunden, auf jeden Fall, wenn man auf die Uhr schaut. Tut man das allerdings nicht, entsteht ein ganz anderes Gefühl. Es dauert zu lang, nicht lang genug, und am Ende fühlt man sich als hätte man mindestens drei Tage am Stück bewältigen müssen.
Morgens, der Wecker klingelt. 6:30 Uhr. Nur noch ganz kurz liegen bleiben, mehr als fünf Minuten können es nicht gewesen sein. Na gut, so fühlt sich das immer an, weiß man ja, also sagen wir zehn Minuten. Die Uhr sagt mir 7:05 Uhr. Auf auf, die geplante Stunde, oder mit Liegezeit geplanten 45 Minuten sind soeben auf eher 20 geschrumpft.
Dann sitzt man in der Schule, im Büro, wo auch immer. 10:00 Uhr, noch immer zwei Stunden bis zur Mittagspause… Na ja, was solls, man arbeite mehr oder weniger konzentriert weiter. Dann erzählt mir mein Magen sehr aufgeregt, dass die Mittagspause bestimmt vor zehn Minuten angefangen hat. Deshalb steht man auf, setzt sich aber sehr schnell wieder hin, weil alle anderen auch noch sitzen. Man will ja nicht unbedingt der Erste sein. Was machen die denn alle so lange… schneller Blick zu Uhr. WAS??? 10:20 Uhr? Und dabei hab ich doch gerade eeeewig gearbeitet!! Da hat einer die Zeit zurück gestellt, ganz bestimmt.
Ja, so ist das. Man genießt den Moment, und viel zu schnell vergeht die Zeit. Man wartet auf einen bestimmten Zeitpunkt, er wird lange in weiter Ferne bleiben.
Am Nachmittag ist so viel zu tun. In der Schule hat man noch Sport, das geht bis 17:00 Uhr. Parallel hat man Theaterprobe, da muss man mal mit ein paar Leuten arrangieren wie man die Zeit aufteilt… 20:00 Uhr kann man endlich nach Hause. Schnell was essen, kurzer Blick auf den Ranzen… da wären Vokabeln, die müssen morgen abgegeben werden, das wird benotet. Ein Versuchsprotokoll, das muss auch gemacht werden. Mathehausaufgaben… na ja, die kann man noch in der Chemiestunde unterbringen, da passiert eh nicht viel… plötzlich ist es dann 22:30 Uhr, die Arbeit ist getan und man sollte eigentlich schnell ins Bett, da man sonst morgen überhaupt nicht raus kommt. Aber es gibt noch ein paar Sachen, die gemacht werden müssen, da ist der PC, da ist ein Buch… ein wenig Spaß muss sein. Ins Bett um 23:00 Uhr und sofort weg, aber man weiß genau, morgen wird wieder anstrengend.
Zu früh aufstehen, den ganzen Tag hin und her hetzen, die Lehrer wollen was und das Theaterstück wird in weniger als zwei Wochen aufgeführt, da ist noch Übung nötig. Jeden Tag mehr Arbeit, als man sonst an zwei Tagen macht, Samstags gibt auch noch Projekte bei denen man ja gerne hilft, fängt ja erst um 10:00 Uhr an. Dank guter Planung kommt man am Freitagabend ja auch schon um 4:00 Uhr vom Klassenausflug nach Hause. Sonntag ist dann mal Ruhe, nur Kirche und die Jugendgruppe und die restlichen liegen gebliebenen Hausaufgaben…
Auch der Berufstätige hat es nicht einfach, um 6:00 Uhr ist Schluss, aber man braucht ja noch Essen, auch ansonsten geht alles dem Ende entgegen zu Hause, also noch schnell Großeinkauf, wie gut dass die Shoppingcenter bis 20:00 Uhr offen haben. Zu Hause angekommen sieht man auch nur: Das Bad verschwindet in einem Haufen Kleidung, in der Küche stapeln sich Töpfe und Pfannen… es muss dringend sauber gemacht werden, aber dafür ist ja dann das Wochenende da…
Zu viel Aufgaben, zu wenig Zeit. Und genau dahin entwickelt sich nicht nur mein Leben, sondern die ganze Gesellschaft. Immer mehr wird von einem verlangt, immer weniger Zeit hat man dafür. Und dann wundert man sich, wenn es Dinge wie das Burnout Syndrom gibt, Schüler in der Schule abkrachen, weil sie ihre Arbeit nicht tun, und überall schlechte Stimmung herrscht, weil alles allen zu viel ist. Der einzige Ausweg, der bleibt: Ferien. Zeit mal so, wie ich sie will, einfach faul sein… Oder man fährt weg, in den schönen Ort, wo man so viel Ruhe bekommt… Zusammen mit Hunderten, die alle die gleichen Vorstellungen hatten. Entspannung pur.
Ich hatte heute das Glück, schon um halb sechs aus der Schule gehen zu können. Endlich mal wieder Zeit für mich. Oder auch um das zu tun, was liegen geblieben ist: Zimmer aufräumen, vielleicht lesen, und endlich mal wieder genug Ruhe für einen kleinen Beitrag in diesem Blog. Und mein Blick auf die Uhr sagt mir was anderes als nur die Uhrzeit. Gleich kann ich wirklich ausruhen.